Schulungen

Freitag, 6. März 2026, 9 bis 15 Uhr, Forchheim

FACHTAG
Programme für AGs im Ganztag
an Grund- und weiterführenden Schulen

Ein Bericht von Sarina Schwinn

 

Qualität im Fokus: Fachtag beleuchtet wirksame AG-Programme im Ganztag

Wie lassen sich Arbeitsgemeinschaften im Ganztag so gestalten, dass sie die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern wirksam fördern? Mit dieser Leitfrage befasste sich der Fachtag Programme für AGs im Ganztag an Grund- und weiterführenden Schulen am 6. März in Forchheim. Die Veranstaltung der Akademie für Ganztagspädagogik und des Bildungsbüros fand in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Allgemeine Grundschulpädagogik der Freien Universität Berlin und der Initiative FOrsprung im großen Sitzungssaal des Landratsamtes statt.

Angesichts des bevorstehenden Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz für Grundschulkinder ab August dieses Jahres rückt die Qualität ganztägiger Angebote stärker in den Mittelpunkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxisbeispiele zeigten, welche Faktoren für wirksame Programme entscheidend sind.

 

 

Zentrale Themen des Fachtags
Im Zentrum stand die Frage, wie qualitativ hochwertige AG-Angebote entwickelt werden können. Beiträge aus Forschung und Praxis machten deutlich, dass Ganztag in Deutschland häufig als Ergänzung zum Vormittagsunterricht verstanden wird. Gleichzeitig zeigt die Studienlage, dass die Effizienz ganztägiger Angebote stark von ihrer Qualität abhängt. Programme müssen daher gezielt auf Kompetenzentwicklung ausgerichtet sein und pädagogisch strukturiert umgesetzt werden.

Die internationale Forschung unterstreicht diese Bedeutung. In einer Metaanalyse von Durlak et al. von 2010 stellte sich heraus, dass sich Programme als effektiv erweisen, wenn sie klar strukturiert, aktiv gestaltet, zielgerichtet und transparent aufgebaut sind. Diese sogenannten „SAFE-Merkmale“ bilden einen wichtigen Orientierungspunkt für die Gestaltung von Ganztagsangeboten.

Wichtige Erkenntnisse und Positionen
Mehrere Referentinnen und Referenten betonten die zentrale Rolle qualitativ hochwertiger Programme. Prof. Dr. Marianne Schüpbach von der Freien Universität Berlin hob hervor, dass diversitätssensible Angebote für sozial bildungsbenachteiligte Kinder zentral seien. Gleichzeitig gebe es weiterhin strukturellen Handlungsbedarf: „Es braucht verbindliche Qualitätsrahmen sowohl auf Bundes- als auf Landesebene“, so Schüpbach.

Auch die Qualifizierung des Personals wurde als entscheidender Faktor genannt. Die Referentin betonte zudem die Bedeutung wissenschaftlich belegter wirksamer Programme. Für den Unterricht am Vormittag existierten bereits zahlreiche Materialien, für den Ganztag hingegen deutlich weniger.

Dr. Heike Moyano von der Freien Universität Berlin verwies darauf, dass gut strukturierte AG-Angebote nachweislich zur Entwicklung fachlicher und sozialer Kompetenzen von Grundschulkindern beitragen. „Nicht nur die Zahl der Plätze, sondern auch die Qualität muss berücksichtigt werden“, erklärte sie. Ziel müsse ein Ganztag sein, von dem alle Schülerinnen und Schüler profitieren.

Dr. Simon Baumgartner von der Pädagogischen Hochschule Zürich machte zudem auf eine weitere Herausforderung aufmerksam: „Das digitale Kompetenzniveau ist in den letzten Jahren stetig rückläufig.“ Auch hier könnten gezielt gestaltete Programme im Ganztag anknüpfen.

Praxisbeispiele und Programme
Im Rahmen des Fachtags wurden mehrere Programme vorgestellt, die wissenschaftlich begleitet und in der Praxis erprobt wurden. Dazu zählt das Programm Eine starke Reise für die Gruppe, welches soziale Kompetenzen in Gruppenprozessen fördert. In einem Workshop erprobten die Teilnehmenden verschiedene Elemente des Programms. Ein spielerischer Ablauf mit Geschichten, Aufgaben, gemeinsamen Gesang und Reflexionsphasen unterstützt dabei die Entwicklung sozialer Fähigkeiten. Anja Schwertfeger, Teilnehmende des Fachtags, führte das Angebot im Rahmen der Studie durch. Sie berichtet: „Das Material ist super aufbereitet. Die Kinder kommen mit den Spielen und Geschichten aus sich heraus und machen mit. Damit kann man sie aus Ecken abholen, die sie sonst nie verlassen würden.“

Ein weiteres Beispiel für ein evidenzbasiertes Ganztagsangebot stellt das Programm Wie erklär ich’s? dar. Dabei produzieren Schülerinnen und Schüler eigene Erklärvideos. In diesem Rahmen entstanden Videos, in denen Kinder das Thema Was ist YouTube? oder Informationen über Löwen in ihrer eigenen Sprache erklären. Die Begleitstudie zeigt: Verbesserungen der digitalen Kompetenzen und der Selbstwirksamkeit treten auf, wenn die Teilnehmenden das Programm als qualitativ hochwertig wahrnehmen.

Die Ganztagsschulische Initiative zur Förderung der Ausbildungsreife wurde von Heike Maria Schütz und Dr. Volker Titel vorgestellt. Das Kooperationsprojekt der Akademie für Ganztagspädagogik und der IHK für Oberfranken richtet sich an Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufen. Es zielt auf die Förderung sozialer und persönlicher Kompetenzen ab. Den Impuls für die Entwicklung gaben u.a. Rückmeldungen von Unternehmen. Firmen stellen bei Bewerberinnen und Bewerbern häufig fehlende Motivation oder mangelndes Interesse am Ausbildungsberuf fest, was sich in einer Umfrage der Bayerischen Industrie und Handelskammer aus dem letzten Jahr widerspiegelt. Die spielerischen Projektübungen setzen auf selbstständiges Lernen, eigenständige Erfahrung und gemeinsame Reflexion.

Bedeutung für Praxis und Fachöffentlichkeit
Mehrere Studien zeigen, dass die Teilnahme am Ganztag allein keine positiven Effekte auf Kompetenzen garantiert. Die StEG-Studie weist darauf hin, dass Verbesserungen insbesondere dann auftreten, wenn Angebote eine hohe Qualität aufweisen. Damit gelangt die gezielte Gestaltung von Programmen stärker in den Fokus. Auch Teilnehmende bestätigten den Praxisbezug der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dunja Schütz, pädagogische Fachkraft an einer Offenen Ganztagsschule in Spardorf-Erlangen, erklärte: „Ich finde es schön, dass sich Wissenschaft, der Sinn für das Wesentliche und ein Gespür für die pädagogische Wirkung so gut ergänzen.“ Die vorgestellten Studien bestätigten aus ihrer Sicht viele Beobachtungen aus der Praxis. Wichtig sei es, für AG-Angebote klare Ziele zu formulieren und anschließend zu prüfen, ob diese tatsächlich erreicht werden.

Zugleich verdeutlichte der Fachtag den Bedarf an strukturellen Verbesserungen. Dazu gehören verbindliche Qualitätsrahmen, qualifiziertes Personal sowie wissenschaftsbasierte Programme für die Praxis. Diese Faktoren gelten als zentrale Voraussetzungen, damit Ganztagsangebote ihr pädagogisches Potenzial entfalten können.

Ausblick
Im Hinblick auf den kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gewinnt die Qualitätsentwicklung weiter an Bedeutung. Initiativen aus Wissenschaft und Praxis sollen dazu beitragen, Programme weiterzuentwickeln und Erfahrungen auszutauschen. Interessierte können sich der Bildungsinitiative FOrsprung e.V. anschließen, die einen qualitativen Ganztag in Deutschland vorantreiben möchte.

Zum Abschluss des Fachtags griff die Veranstaltungsleitung Dr. Anna-Maria Seemann das Motto der Akademie auf und verabschiedete die Teilnehmenden mit den Worten: „Bleiben Sie ganztägig optimistisch!“

 


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